Stellensituation 2026

Hallo zusammen!
Ich suche aktuell eine Stelle als Fachärztin in Viszeralchirurgie und bist fast verzweifelt. Ich schreibe an alle ausgeschriebene Stellen und schicke auch Initiativbewerbungen raus, aber bekomme keine Rückmeldungen.
Der Stellenmarkt scheint tot zu sein.
Ist es in andere Fachrichtungen auch so? Oder mache ich einfach irgendwas falsch?

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Hallo!

Also in Unkenntnis von deiner Person, CV und Bewerbung sowie deines Radius: ist so...leider ja.

Aber: wir suchen durchaus! ;-) Kleines Haus, Süddeutschland. Ob formell eine offene Stelle frei ist, weiß ich nicht, aber wir haben ständig neue chir. WBÄ, man muss allerdings auch alles machen (Station, Unfall, ZNA, Viszeral). Aber es fehlt uns an Leuten, die selbständig operieren können. Grund- und Regelversorger. Gerne PN an mich.

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Der Stellenmarkt scheint tot zu sein.
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Tot isser nicht. Der Suchbereich vielleicht falsch.

Kann aber auch sein dass der Markt für Fachärzte in der Viszeralchirurgie aktuell tatsächlich tot ist. Wer braucht die schon? Aus meiner Sicht das große Problem der Kliniken sind ja die Besetzung der Dienste (nach den letzten Tarifvertragsänderungen mit dem MB). Man braucht eine gewisse Menge an Vollzeitäquivalenten um die Dienste zu besetzen.
In meiner Region machen Hintergrunddienste fast nur Oberärzte und dann ist halt die Frage: wieso sollte ich mir einen Facharzt teuer einkaufen für Vordergrunddienste wenn das auch ein billigerer Assistenzarzt machen kann?

Kannst du denn operieren? Selbständig?

Hallo, ich glaube aktuell ist die Situation für Fachärzte nicht so rosig. Zumindest bei uns im Grund und Regelversorger werden die hintergunddienste durch die Oberärzte abgedeckt und Fachärzte für die Vordergrunddienste sind einfach zu teuer . Mag sein das es in Häusern der Maximalversorgung besser aussieht . Ich denke viele Häuser warten aktuell auf Entscheidungen der Leistungsgruppen und sind daher eher zurückhaltend mit Einstellungen.

Vielen Dank an alle für die Antworten!
Ja, so habe ich mir auch gedacht, dass die Fachärzte zu teuer sein sollten.
Gewisse Dinge kann ich selbständig operieren (Gallen, Hernien, Ports, usw.), aber keine Darmeingriffe.
Ich kucke schon in Richtung Maximalversorger. Vielleicht brauchen die erfahrene Leute, die selbstständig die Station, Ambulanz usw. machen können.

Ist am Maximalversorger nicht besser. Wir haben gerade zwei WBA gekündigt (also zum Unterschreiben eines Auflösungsvertrags genötigt) und die Ansage ist, dass Verträge nach Erreich des FA nicht mehr verlängert werden. Dafür werden Berufsanfänger eingestellt.

Spannender wird es da in Zukunft auch für die SAV-Häuser, die rund um die Uhr einen Facharzt Allgemein/Viszeralchirurgie, Anästhesie und Unfallchirurgie vor Ort haben müssen. Das geht ins Geld...

In welchem Weiterbildungsjahr waren die beiden WBAs? Müssen wohl in fortgeschrittener Weiterbildung gewesen sein, denn sonst wären sie ja Berufsanfänger und hätten bleiben dürfen.

Ich habe das Gefühl, in der Inneren Medizin wird noch viel durch den ambulanten Bereich abgefangen. Aber ich glaube, dass es aus den vorgenannten Gründen schwieriger wird, eine Klinikstelle zur Spezialisierung zu finden.

Es ist wahrscheinlich besser, direkt den spezialisierten Facharzt zu machen und bei Bedarf den Allgemeininternisten anschließend draufzusetzen.

Also bei uns am Maximalversorger muss der 1. Dienst der Viszeralchirurgie Facharzt sein..? Also wenn bei uns für jeder Galle, die OÄ reinkommen müssten, wären sie wohl wirklich wenig begeistert...

Es ist aktuell überall sehr schlecht. Wenn ich an die Stellensituation vor zehn Jahren denke, hätte ich das nie erwartet. Bei uns ist es auch so. Psychiatrie, Maximalversorger. Für den Stationsdienst sind keine Fachärzte mehr erwünscht. Verträge nach bestandener Facharztprüfung oder nach Ablaufen einer bestimmten Weiterbildungszeit werden nicht mehr verlängert. Früher hatte man als Berufsanfänger keine Chance, jetzt hat man als Fortgeschrittener oder Facharzt keine Chance mehr. Ich habe tatsächlich Angst, wenn ich an die berufliche Zukunft denke. Ich kenne auch andere Kliniken, die immer Stellen ausgeschrieben hatten, jahrelang. Dieses Jahr zum ersten Mal nicht mehr.

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Ich hab natürlich keinen umfassenden Überblick, aber hier in Hamburg konnte eine Fachärztin für Anästhesiologie sich Ende letzten Jahres noch aus diversen Stellen eine aussuchen. Und sie hat sich auf Teilzeit beworben.

Also ganz katastrophal ist es sicherlich nicht überall. Wenn man örtlich nicht flexibel ist, ist es natürlich potenziell schwierig, aber das war je nach Fachrichtung vor zehn Jahren wirklich nicht anders.

Ich glaube nicht, dass man als Facharzt in Deutschland Angst haben muss, keine angemessene Stelle zu bekommen.

Betriebsbedingte Kündigung ist natürlich für einen Arzt ungewöhnlich. Da wäre ich auch erstmal schockiert. Aber ich denke, das geht jedem so, unabhängig von der Profession.

Ich kann tatsächlich aus meiner Klinik auch berichten, dass das Trend weg vom Facharzt geht. Bin Internistin und hier sind Fachärzte je nach Abteilung nicht gern gesehen. Entweder man wird schnell auf eine Oberarztstelle weitergereicht oder das Leben wird einem so unbequem gemacht, dass man geht. Als Facharzt neu eingestellt wird man hier auch nur in Ausnahmefällen. Dafür stehen sich die Berufsanfänger auf den Füßen rum und werden auf den Stationen verheizt. Und der Einäugige lernt den Blinden an. In meiner alten Klinik hat man mittlerweile alle Fachärzte rausgeekelt.

Mein direkter Chef hat zumindest erkannt, dass es für eine Klinik schon ganz nützlich ist wenn man auch ein paar Fachärzte hat, die den Laden schmeißen aber die Verwaltung ist jetzt nicht unbedingt begeistert davon, dass er Fachärzte einstellen will. Für die Verwaltung ist hier halt Arzt gleich Arzt und wozu Facharztgehalt bezahlen wenn man stattdessen auch einen Erstjahresassistenten bezahlen kann.

Andererseits sind mir die Stellenangebote nach der internistische Facharztprüfung nur so zugeflogen. Scheint also nicht überall ein Problem zu sein. Fast immer wenn ich mal auf alte Kollegen getroffen bin, die jetzt in anderen Kliniken arbeiten, wurden mir Stellen angeboten. Meine aktuelle Stelle ist mir auch so „zugeflogen“ und auch wenn’s die Verwaltung nicht glücklich macht, wurde mein Vertrag jetzt auch nochmal verlängert.

Ich glaube dass das aktuelle Problem vor allem die noch nicht absehbaren Folgen des GKV Spargesetzes sind - die Kliniken versuchen gerade besonders "ökonomisch" zu handeln, was heisst Neueinstellungen sind sofern sie nicht unbedingt notwendig sind zu unterlassen. Assistenzärzte werden Fachärzten vorgezogen weil günstiger und befristet. Je höher man in der Hierarchie sich entwickelt hat, desto dünner wird die Luft. Man muss als Arbeitnehmer durchaus auch mobiler werden - denn wenn man örtlich gebunden ist, ist der Pool halt recht klein.

Objektiv wird man an Leistungen sparen müssen. Dieser Sicht wird sich auch die Politik auf Dauer nicht verschließen bzw. tut es de facto ja auch nicht mehr. Und Leistungen werden bei uns halt primär durch Menschen erbracht. Man kann nur hoffen, dass wenigstens rational gespart wird - sprich da, wo teure Leistung mit wenig objektivem Nutzen erbracht wird.

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sprich da, wo teure Leistung mit wenig objektivem Nutzen erbracht wird.
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Keine Krebs-OP ab 65, keine Hüft- oder Knie-TEP ab 65, keine neue Brille oder Rollstuhl ab 70.
Warteliste für o.g. Maßnahmen ab 50, da nurnoch Kontingente vergeben werden.
Alles was jünger ist Blanko weiter.

Oder eben wie die Zuckersteuer, nur umgekehrt: -20% auf Alles, ausser Tiernahrung. Die Ärzte werden sich schon zu Helfen wissen.

ironie off

Wir werden es erleben. Bis vor kurzem war Deutschland Weltmeister im Herzkathetern - länger lebt deswegen trotzdem keiner. Und soweit ich das bei den Chirurgen so mitbekomme ... irgendwelche fancy Pankreas-OPs mit nem Roboter bei Ü80-jährigen ... ich weiß ja nicht ...

Ja, ich glaube, das ist ein korrekter Ansatz.

Keine TEP ab sechzig klingt natürlich immer theatralisch, aber darum geht es meiner Meinung nach gar nicht nicht. Erstens sind TEP eher kein so wahnsinnig hoher Kostenfaktor, zweitens will niemand bestimmte Therapien allein vom Alter des Patienten abhängig machen.

Aber wenn ich daran denke, wie oft bei uns (submaximale) intensivmedizinische Behandlung bei Menschen durchgeführt wurde, bei denen wirklich jeder sich gewundert hat, z.B. bei Menschen mit schwersten Mehrfachbehinderungen, mit seit Jahren bestehender schwerer Demenz, mit fortgeschrittenen malignen Erkrankungen: einfach nur weil im Pflegeheim, beim Hausarzt oder beim Onkologen nicht über den Fall der Fälle gesprochen worden war, sich kein Arzt initial traute, sich gegen eine entsprechende Behandlung zu entscheiden und man nicht kurzfristig an Betreuer oder Angehörige herankam oder diese erst aus dem Urlaub zurückkommen, sich persönlich mit in aller Welt verstreuten Familienmitgliedern besprechen oder trotz aller Aufklärung nicht gegen einen Behandlungsversuch aussprechen mochten, wird mir ganz anders.

Medial bzw. politisch wird jede Einschränkung schnell als Vorstufe von Euthanasie deklariert und so jede grundsätzliche Diskussion im Keim erstickt.

Vielleicht wäre eine Pflicht sinnvoll, sich ab einem bestimmten Alter oder Pflegegrad beraten zu lassen (ähnlich wie bei Schwangerschaftsabbruch) und dann positiv begründen zu müssen, warum und welche Art von Behandlung noch durchgeführt werden soll.

Oder wenn es simpler sein soll, wird eben der Pflege- oder UICC-Grad herangezogen und dann gibt's ab einem bestimmten Grad eben außerhalb eines zu definierenden Katalogs keine kurative Therapie mehr.

Irgendwie sowas. Aber man muss darüber diskutieren, wo man den Umfang teurer Therapie reduzieren kann. Es gibt noch viel mehr Beispiele.

Ja richtig. Ich habe über die Jahre auch so einige Fälle gesehen, wo man eigentlich nur noch mit dem Kopf schütteln konnte, was in völlig perspektivlose Fälle noch an Geld geflossen ist z.T. auch gegen den mutmaßlichen Patientenwillen. Da wäre es sicher ein guter Ansatz die Leute zu zwingen ab einem gewissen Alter einmal Farbe zu bekennen was man eigentlich will und was nicht. Ein gewisser Rückbau der Leistungen wird bald kommen - wenn die Babyboomer jetzt in Rente gehen und krank werden, kann sich die Gesellschaft das nicht mehr lange leisten, völlig "unkritisch" alles zu machen - wobei letztlich "alles" nur gemacht wird, weil die richtigen Leute (die, die dann laut heulen) halt damit gutes Geld verdienen.