Du kannst das amerikanische Ausbildungssystem nicht mit dem deutschen vergleichen, schlicht deswegen, weil es in Deutschland kein Ausbildungssystem gibt. 1 Rotation pro Jahr ist in den meisten Häusern realistisch. Mehr kriegst Du aber seltenst. Und 6 Rotationen in 3 Jahren sind auch nicht sonderlich realistisch, es sei denn, Sachen wie Privatstation gelten bei Dir als Rotation. Denn was sollen das für Rotationen sein? Angenommen, Du willst Innere machen. Es ist m.E. idiotisch, sich sofort auf ein Teilgebiet der Inneren zu versteifen, denn man weiß erst, welches Teilgebiet des gewünschten (großen) Fachs einem am ehesten liegt, wenn man alle ausprobiert hat. Genau das passiert Dir aber insbesondere in den größeren Häusern und Unikliniken. Du bekommst keine Ausbildung in der Inneren, sondern in Gastro, oder in Kardio, auf jeden Fall nur in den Unterdisziplinen, die der Fachbereich, in dem Du angestellt bist, abdeckt. Selbst an kleineren Häusern, an denen Rotationen zwischen Fachbereichen eher üblich sind, bist Du kein Assistenzarzt, der die Innere Medizin erlernt, sondern eben ein Gastro-Assi, der gerade seine Kardio-Rotation hat, etc. Und dann wird es schon zum Kunststück, alle 6 Monate zu rotieren, weil es einfach nicht genug Rotationsstationen gibt.
Außerdem wird man oft nicht dort eingesetzt, wo man eingesetzt werden möchte oder zwecks besserer Ausbildung sollte, sondern dort, wo eben gerade ein Assi benötigt wird. In so mancher Klinik wird der Begriff "verschollen auf Intensiv" häufiger verwendet, als man denkt. Da im Arbeitsvertrag aber nichts über irgendwelche Rotationen steht, hat man auch keinen Anspruch darauf, im Gegensatz zu den erwähnten Amis, bei denen alle Rotationen festgelegt sind, und der Rotationsplan nur aus sehr schwerwiegenden Gründen geändert werden kann.
Übrigens rotieren die Amis nur im ersten Jahr jeden Monat, die danach kommenden Rotationen sind i.d.R. mindestens 2 Monate lang, die wichtigsten sind bis zu 6 Monate lang. Außerdem rotieren sie mehrfach auf so ziemlich alle Stationen, zuerst als unerfahrene Interns, um sich einen Überblick über die Grundlagen zu verschaffen, und später als erfahrene Assis, um wirklich etwas Spezifisches zu lernen. Diese Form des Ausbildungsbetriebs garantiert eine wirklich umfassende Grundweiterbildung, die dann nach Belieben durch Fellowships in einem bestimmten Bereich vertieft werden kann. Im Gegensatz zum deutschen System, in welchem wirklich umfassend ausgebildete Assis eher die Ausnahme darstellen. Hier gibt es stattdessen Blödsinn wie "Common Trunk".
P.S.: Damit man mich nicht mißversteht. Ausbildung gibt es in Deutschland schon. Nur eben kein System, was die Ausbildung meistens zu einem sporadischen Nebenprodukt der täglichen Tätigkeit verkommen läßt.