Ich hab an einer Uniklinik und an einem LKH (ca. 500 Betten) PJ gemacht, und kann vergleichen.
In einem kleineren Haus ist die Atmosphäre meistens etwas entspannter, man hat mehr direkten Kontakt zu den Oberärzten und Cheffes. Außerdem sind an kleineren Häusern üblicherweise nur wenige PJler, daher kann man, wenn man Eindruck macht, auch mehr Autonomie bekommen und darf mehr machen, als üblich. Für die meisten OÄ und CÄ an Unikliniken ist man Luft. Die Kehrseite der Medaille sieht so aus, daß man oft mehr eingespannt wird, als einem lieb ist, insbesondere in der Chirurgie; denn an einer Uniklinik reißen sich die Assis darum, auch zweite Assistenz zu machen, wohingegen an kleineren Häusern schlichtweg die Leute fehlen, und PJler fest als Zweitassis eingeplant sind. Ich hatte nicht selten Tage, an denen ich 8 Stunden und mehr im OP stand. Mir gefiel das, zumindest meistens, aber wer den OP haßt, würde die Zeit nicht gerade genießen. Außerdem verpaßt man so die perioperative Seite der Chirurgie, und bekommt ein unvollständiges Bild.
Zumindest an dem LKH, wo ich war, gab es (theoretisch) fast jeden Tag eine Fortbildung für PJler. Praktisch sind zwar einige Termine ausgefallen, aber ca. 2/3 fanden statt, und waren meistens gar nicht schlecht. An der Uni hab ich im ganzen Tertial 3 Fortbildungen gehabt, und alle mußten von uns extra organisiert werden. Über diesen Punkt sollte man sich informieren.
Daß man in einem kleineren Haus nicht die "ausgefallenen" Fälle sieht, halte ich nicht für einen Nachteil. Als PJler sollte man sich die Basics aneignen, denn die werden im Examen abgefragt, und die braucht man auch beim Start als Assi, nicht die superseltenen Syndrome.
Was das Examen betrifft, so hat man in einem kleineren Haus den Vorteil, daß man die potentiellen Prüfer alle kennenlernt. Man hat mehr Möglichkeiten, sich auf diese Menschen einzustellen, ihre Schwerpunkte auszuloten etc. Man hat auch die Chance, sich schon während der Tertiale gut zu verkaufen, und somit eine positive Grundeinstellung der Prüfer einem gegenüber zu schaffen. Der Nachteil ist selbstredend, daß man, sofern man sich nicht gerade gut präsentiert, eher ungünstige Voraussetzungen für die Prüfung schafft.
Falls man wünscht, hat man, ein gutes Tertial und gute Prüfungsleistungen vorausgesetzt, bessere Aussichten, in einem kleineren Haus als Assi übernommen zu werden.