Hi!
Hab grad die neuste Folge "Dr. House" geguckt und da war folgende Situation: Einem Fötus mussten gaaaaanz dringend irgendwelche Lungenknötchen entfernt werden; dazu schnitt man Bauchdecke, Uterus und Fruchthülle auf und operierte direkt am Fötus.
Intrauterine Schlüsselloch OPs kannte ich ja schon. Aber dieser Eingriff mit einer Schnittlänge von bestimmt 8 cm kam mir dann doch etwas viel vor. Geht sowas? Wie verschließt man das? Wie supplementiert man die Amnionflüssigkeit (oder sammelt man die und führt die zurück)? Was ist noch zu beachten? Ist das Risiko einer Fehlgeburt nicht astronomisch hoch?
Wäre über Kommentare und Ansichten der Profis hier sehr froh. :-)
ohne dass ich die gestrige Folge gesehen hätte ;) ... aber die heutigen Arztserien sind zumindest schon besser recherchiert als früher.
Höchstwarhscheinlich war eine CCAM gemeint, oder (=congenital cystic-adenomatoid lung malformation), eine hamartöse Fehlbildung der Lunge mit zystischer Veränderung, evt. Kämmerung und Flüssigkeitsfüllung?
Die (eher seltenen) Typen II und III nach Stocker werden evt. zu einer derartig großen mediastinalen Raumforderung, dass es zur Obstruktion der fetalen Cava, zum Hydrops fetalis und anschließend IUFT (intrauteriner Fruchttod) kommt.
Bei besagtem Fall ist die fetale Chirurgie eine der wenigen Therapiemöglichkeiten (einfachere Läsionen können auch geshuntet werden). Andere Indikationen sind Spina bifida mit MMC (höchst umstritten!), CHAOS (Larnyx- und Trachea-Atresien), evt. experimentell Therapie von Vitien und Hydrozephalus, Tumorektomie, Zystostomie u.a.
Der Outcome ist bei dieser Art höchst unterschiedlich, ich bin weder Gynäkologe noch Kinderchirurg und hab hier nur ältere Zahlen, aber prinzipiell tödliche Indikationen wie höhergradige CCAM haben katastrophale Raten von < 50% (Kind). Elektive OPs wie die Spina bifida liegen viel besser.
Technisch wird die Mutter regelrecht Intubiert, dann Querschnitts-Laparotomie und Hysterotomie längs oder quer (je nach Plazentalage). Das Amnion wird mit speziellen Klammern am Schnittrand befestigt, dann das Fruchtwasser (vorsichtig) entfernt, das Kind luxiert, monitiert, opieriert, reponiert, und das Amnion wieder mit Ersatzlösung (dabei muss man sehr genau auf die Tonizität achten) aufgefüllt.
Eihäute und Dezidua/Myometrium werden dann eng adaptiert (wobei das Amnion glaube ich ans Myometrium geklammert bleibt). Dann schichtweiser Bauchverschluss wie immer.
Ein Spezialvorgang ist die Exit Procedure (EXIT = Ex Utero Intrapartum Treatment), wobei eine Sektio durchgeführt und vor Durchtrennung der Nabelschnur die relevante fetale (bzw. "perinatale") OP durchgeführt wird. Anschließend wird das Kind vollständig geboren. Diese eignet sich für CCAM aber wohl eher nicht.
Wie man übrigens hier sieht, lagst du mit deiner Vermutung einer CCAM richtig.
Deine Beschreibung des Vorgangs klingt sehr spannend. Irre, was man alles machen kann!
Wie ist es denn eigentlich nach der Geburt? Ich meine, wenn das Amnion da irgendwie festgetackert ist (habe ich das richtig verstanden?), kann sich das postpartal nicht irgendwie entzünden?
Und was ist mit der Gebärmutter? Sind die Risiken für eine folgende Schwangerschaft ungefähr denen einer Sectio entsprechend? Bzw. wenn nicht, warum?
Ich hab unheimlich viele Fragen dazu. :-oopss Aber es fasziniert mich einfach, dass man sowas kann, bzw. worauf man da alles achten muss...
Diese OPs sind ja auch faszinierend, erinnern aber irgendwie an Gottspielen (also dieser mehr als andere^^). Ich denke mal, die Risiken für eine folgende Schwangerschaft sind im Falle einer solchen OP ähnlich wie bei einer Sectio. Es entsteht schließlich Narbengewebe und an dieser Stelle kann es später bei einer erneuten Schwangerschaft/Geburt leichter zu einer Ruptur kommen, als beim verschont gebliebenen Uterusgewebe. Infektionen können rein theoretisch zu jeder Zeit auftreten, erst recht durch eine OP.
Übrigens gibt es auch in Deutschland ein Zentrum für Fetalchirurgie, nämlich an der Uniklinik Bonn. Als Student darfst du bei solchen OPs auch zuschauen. Da könntest du dir dann vielleicht auch die ein oder andere Frage beantworten lassen. Das Thema ist doch sehr speziell und ich habe im Studium z.B. nicht wirklich was dazu mitbekommen ausser der Tatsache, dass es sowas wie Fetalchirurgie gibt.
Den Tipp mit Bonn werd ich mir merken! :-top Kann ich ja vielleicht in ein paar Jahren wieder drauf zurück kommen.
Lustigerweise wollt ich früher nie was von Chirurie wissen (also als berufliche Option). Aber je mehr ich davon höre... die Möglichkeiten faszinieren mich einfach.
"Geschmacksache", sagte der Fuchs und leckte sich unterm Schwanz.
Wenn du über Dr. House und schlechten Humor diskutieren willst, NICHT in diesem Thread.
"B-B-B-Baby, you just ain't seen n-n-n-nothin' yet"
(Bachman Turner Overdrive)